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die chaplinstory - by uwe schilhaneck



    genesis         - klick auf'bild für mehr fotos -

Glaubt bloß nicht, dass ich mir diesen Namen ausgesucht hätte – bestimmt nicht !

Und ich weise ausdrücklich darauf hin, dass jede Übereinstimmung mit lebenden oder bereits verstorbenen Individuen rein zufällig wäre, aber die Dinge sind nun mal wie sie sind, und so bin ich es eben :  der einzigartige, unverwechselbare          -          CHAPLIN !
Wo und wann genau ich geboren wurde und wer meine richtigen Eltern sind, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben, denn ob Ihr es glaubt oder nicht – ich bin ein waschechtes Findelkind !

Und hätte mich ein überaus tierliebes Mädchen namens Angie nicht an jenem Nachmittag des 10.Mai im Jahre 2005 – mehr tot als lebendig – 
aus einem Gebüsch heraus gezogen und spontan beschlossen, mich bei sich zu behalten und mir über den Berg zu helfen, dann hätte mein bis dahin recht leidvolles Dasein wohl bereits damals ein unschönes Ende gefunden.

So aber sollte auch ich meine Chance bekommen !

 

    childhood            - klick auf'bild für mehr fotos -

Es dauerte eine ganze Zeit, bis ich anfing, die Menschen mit ihren seltsamen Gewohnheiten zu verstehen, aber ein Privileg menschlicher Geborgenheit konnte ich doch von Beginn an in Anspruch nehmen: ich bekam jetzt jeden Tag etwas zu essen !

Man verwöhnte mich mit erlesenen Köstlichkeiten – die Menschen begründeten dies mit der Behauptung, man müsse mich schließlich erst einmal richtig aufpäppeln.

Pah ! - im Grunde genommen lächerlich, aber warum sich gegen so viel Glück wehren ?!

Ich wurde also Tag für Tag ein kleines Stück größer und kräftiger und genoss unbeschwert, dass sich alle so rührend um mich kümmerten. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, irgendwo hin zu gehören, wo man mich wirklich mochte. Jeder, dem ich mich näherte, nahm mich in den Arm und streichelte mich, ich konnte ausgelassen spielen und schlafen und bekam Futter, so viel ich nur wollte. Einziges Manko: in Folge meiner angeblich körperlichen wie geistigen Unreife wurde ich während der ersten Monate nachts zum Schlafen in einen wohltemperierten Kellerraum verfrachtet, angeblich damit ich vor den Gefahren der Nacht sicher sei  -  als hätte ich nicht längst selbst entscheiden können, wo ich mich des nachts herum treibe und wo nicht!

 

adolescence 

Nach anfänglichen Irritationen hinsichtlich meines entwicklungstechnischen Werdeganges -

Frauchen wollte immer einen Schmusekater, während Herrchen, ein über 2 Zentner schwerer Ex-Boxer, kaum eine Gelegenheit ausließ, mir beizubringen, wie man sich erfolgreich mit allem und jedem fetzen kann (ich muss allerdings zugeben, dass ich mich dank dieses intensiven Trainings bereits im zarten Alter von etwa 8 Monaten einmal erfolgreich gegen einen ausgewachsenen Dobermann zur Wehr setzen konnte) – beschloss ich, die Sache selbst in die Pfoten zu nehmen. Ich wollte vor allem sehen, was um mich herum passierte, wer um mich herum lebte, wo und wie andere Katzen wohnten und noch so vieles mehr  -  also zog ich immer häufiger aus, um zu erkunden, was diese Welt mir eigentlich so alles zu bieten hat.

 

    juvenile behavior           - klick auf'bild für mehr fotos -


Mein Instinkt verriet mir zielsicher, dass ein Kater nur ein richtiger Kater sein kann, wenn er auch ein eigenes Revier hat !  Ein rein formales, administratives Problem, wie ich zunächst dachte, und so deklarierte ich  - für den Anfang - alles im Bereich von ca. 300m rund um meine Behausung zum „Revier des Chaplin“ und unterstrich meine intolerante Anspruchshaltung durch ausgelassene Streifzüge und ambitioniertes Markieren meiner selbsterklärten Reviergrenzen.

Offenbar beginnt jedoch alles Monumentale erst einmal ganz im Bescheidenen, denn schon bald musste ich zu meinem Leidwesen feststellen, 
dass andere, ausgewachsene Kater in der Umgebung für sich ähnliche Ansprüche erhoben und nach einigen kräftigen Tracht Prügel 
(Herrchen kommentierte meine Blessuren immer enttäuscht mit der Bemerkung: „schwache Deckung, viel zu schwache Deckung“ , während Frauchen mich immer gleich zum Tierarzt schleppte und darüber hinaus der Meinung war, meine Wunden wegstreicheln zu können), 
beschloss ich, meine territorialen Ansprüche lieber – zumindest vorerst – wieder auf den Bereich meines Gartens einzuschränken.

 

    warrior            - klick auf'bild für mehr fotos -

Dort ließ ich zwar niemals irgendwelche Zweifel aufkommen, wessen die Macht war und verwies jedwege Eindringlinge, gleich welcher Spezies, Größe oder Geschlechtes, sehr zur Freude Herrchens immer triumphal in ihre Schranken, doch ich spürte, dass mein Leben eigentlich eine andere Bestimmung hatte, dass ich zu größerem, globalerem geboren war, schließlich bin ich … der CHAPLIN

 

    rising star          - klick auf'bild für mehr fotos -

Offenbar war mir das Schicksal in Anbetracht meiner Visionen recht gewogen, denn mit weiterem Heranwachsen und dank des regelmäßigen, intensiven Kampftrainings konnte ich immer häufiger kleinere und größere Scharmützel mit anderen Katern erfolgreich für mich entscheiden, und je mehr meine Widersacher einen Bogen um mich machten, desto mehr spürte ich, dass ich meinem Ziel näher und näher kam. Wie sagte schon Nero: sollen sie mich ruhig hassen, Hauptsache sie fürchten mich ! Zu meinem Bedauern beschloss Herrchen eines Tages, das Training abrupt einzustellen, als ich ihm während seines Studiums der örtlichen Tageszeitung meine kaum zu bändigende Kraft demonstrierte, indem ich ihm von hinten auf den entblößten Rücken sprang und mit ausgefahrenen Krallen daran herunter rutschte  -  seine ungezügelt aggressive Reaktion machte deutlich, dass ich dies besser nicht wiederholen sollte, doch bevor er mich zu fassen bekam, befand ich mich dank meiner hervorragenden Reflexe und meiner behenden Beinarbeit bereits in sicherer Distanz. Von diesem Moment an wusste ich, dass auch er nun Respekt vor mir hatte, und ein irgendein Gefühl suggerierte mir, ich sei reif für die Machtübernahme, doch ich wusste, ich muss es geschickt und überaus listig anstellen. Von diesem Tag an mussten mir Marder, Eichhörnchen, Wildhasen und andere niedere Kreaturen als Sparringspartner dienen (einmal auch ein Igel, aber darauf will ich jetzt wirklich nicht näher eingehen !), und ich kam Stück für Stück in die körperliche Verfassung, meinen Kreuzzug zur territorialen Ausweitung meines Reviers in die Tat umzusetzen.

Apropos schlafen – ich muss zugeben, dass es mir durchaus missfiel (und immer noch missfällt), dass ich meine Nächte von Beginn an nicht bei den Menschen im Haus verbringen durfte – es hieß, ich müsse ein sog. „Draußen-Kater“ werden, weil ja tagsüber niemand da sei. Man räumte mir mittels einer Katzenklappe in der Kellertüre ein, bei allzu schlechtem Wetter oder großer Kälte in selbigem zu nächtigen, wo man mir auch ein Schlafkörbchen und eine Toilette zur Verfügung stellte, doch ich muss gestehen, dass ich hierauf nur in seltenen Ausnahmefällen zurück greife. Wer sich zu helfen weiß, findet draußen nämlich immer ein geschütztes Plätzchen, und so verstand ich schnell, aus meiner Not eine Tugend zu machen, indem ich mir in meinem Garten wie auch in der mittelbaren Nachbarschaft mehrere Trabanten-Domizile für alle möglichen Lagen des täglichen Lebens einrichtete.